Warum ich das Tippen aufgegeben habe: Vorteile des Diktierens | Luan Orsini - Staatlich geprüfter Übersetzer für Portugiesisch (Brasilien)

Warum ich das Tippen aufgegeben habe: Vorteile des Diktierens

Als Schnelltipper habe ich früher nie einen Grund gesehen, Spracherkennungsprogramme zu nutzen – ich bin nur gezwungenermaßen auf die Idee gekommen, als ich vor ca. 2 Jahren aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung nicht mehr viel tippen konnte. Heute aber bin ich dafür sehr dankbar, weil diese Technik meine Arbeit viel hochwertiger, produktiver und gleichzeitig auch entspannter gemacht hat.

Hier sind die Gründe, warum ich heute falls ausschließlich mit Diktiersoftware arbeite:

1. Man ist durch Spracherkennung körperlich entlastet – und dadurch produktiver

Das ist vermutlich nicht nur für mich ein ganz wichtiger Punkt: Täglich stundenlang am PC zu arbeiten kann langfristig ernsthafte Schäden mit sich bringen. Wenn man einmal die Erfahrung gemacht hat, ist es extrem erleichternd, seine Hände nicht mehr ständig beanspruchen zu müssen.
Manchmal strecke ich mich sogar während des Diktierens oder laufe hin- und her durch den Raum. Dadurch ist die Arbeit deutlich weniger belastend, wodurch ich länger arbeiten und folglich mehr verdienen kann.

2. Diktieren erhöht die Qualität der Übersetzung

In meiner Erfahrung jedenfalls: Das Diktieren führt insgesamt zu einem saubereren Arbeitsprozess. Es zwingt mich dazu, jeden Satz vollständig und aufmerksam zu lesen, bevor ich überhaupt anfange, ihn zu übersetzen. Weil ich alles laut lesen muss, merke ich gleich, ob der übersetzte Satz gut klingt. Und da ich gleichzeitig den Text – kurz bevor er in das Programm eingefügt wird – auf dem Bildschirm sehe, erwische ich eventuelle Fehler viel schneller und leichter, was wiederum meine anschließende Korrektur optimiert. Und sich vertippen kann man gar nicht.

3. Man spart sehr viel Zeit

Mit Spracherkennung erledige ich Aufträge bis zu 30 % schneller als früher. Man redet einfach schneller, als man tippt, selbst wenn man sehr schnell tippt. Die Sekunden, die man damit gewinnt, häufen sich; zusammen mit der geringeren körperlichen Belastung und dem meiner Meinung nach optimierten Prozess führt dies insgesamt zu einem größeren Output in weniger Zeit.

Natürlich hat diese Arbeitsweise auch Nachteile: Weil man die ganze Zeit – oft über vertraulichen Inhalt – reden muss, kann man in der Regel nicht mit anderen Leuten in einem Raum arbeiten. Durch die Software und das Mikrofon entstehen zusätzliche Kosten. Die Spracherkennungsprogramme haben auch ihre Macken und darüber hinaus braucht man etwas Zeit, um sich an diese Arbeitsweise zu gewöhnen.

Bei dieser großen Menge an Vorteilen aber denke ich, dass Spracherkennung für jeden Übersetzer einen Versuch wert ist. Technische Entwicklungen gereichen uns auch oft zum Nachteil – zum Ausgleich müssen wir auch die Vorteile ausnutzen können.

Kommentar posten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Top